RU-Tag 18.3.2010 – III: Welcher Religionsunterricht hat Zukunft?
Der Religionsunterricht der Zukunft wird in vielen Bereichen ein anderer sein als der heutige. Auch wenn die veröffentlichten Teilnehmerzahlen der letzten Statistik beruhigend klingen:
Wir wissen, dass es auch in den „guten“ Bezirken zunehmend schwieriger wird, ausreichend große Gruppen zusammen zu bekommen – auch an den Grundschulen. Die Stadt verändert sich und gerade im Bildungsbereich passieren enorme Veränderungen. Die Einführung des jahrgangsübergreifenden Lernens in der Schulanfangsphase, die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur, die Einführung von Sekundarschulen – der Religionsunterricht muss sich in z.T. fremden Strukturen neu behaupten. Sicherlich wird der zweistündige, in den Stundenplan integrierte RU auch weiterhin stattfinden, aber wir befürchten, dass das zukünftig in weniger Schulen als aktuell der Fall sein wird. Da ist es wichtig, dass wir uns über neue Modelle Gedanken machen. In vielen Bereichen, gerade im Oberschulsektor, haben sich solche Modelle bereits etabliert: Unterricht wird geblockt, um beispielsweise Exkursionen möglich zu machen, Modelle für interreligiöses Lernen werden erprobt, Möglichkeiten der Kooperation mit Ethik werden ausgelotet – stehen aber oft auf wackligen Beinen, weil es keinen Anspruch auf Kooperation gibt und die Umsetzung oft genug davon abhängt, ob persönlich „die Chemie stimmt“ zwischen Ethik- und Religionslehrer. Die vom Volksbegehren „Pro Reli“ angestoßene, intensiv, teils polemisch geführte Diskussion um den RU hat eins gezeigt: bloß juristisch geführte Gefechte um dieses Fach bringen uns heute nicht mehr weiter. Wir müssen unseren Platz im Bildungsgefüge inhaltlich bestimmen und klar machen, welchen Nutzen der RU für die Schule als Ganzes hat. An dieser inhaltlichen Neuorientierung wollen wir uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gern beteiligen – aber wir wollen nicht allein gelassen nach dem Motto: Nun denkt euch mal was aus, damit die Zahlen wieder stimmen. Gerade in einer Situation, in der uns oft an den Rand gedrängt fühlen (wenn Schüler wegen ihrer hohen Stundenzahl den RU als nicht unbedingt notwendig streichen, wenn wir zunehmend in den Randstunden unterrichten ……..jedem von uns fallen noch mehr Beispiele ein) brauchen wir die Rückenstärkung unseres Arbeitgebers. Anstehende Veränderungen können Angst auslösen, sie können aber auch neue Motivation bringen.
